Die Thematik der digitalen Archivierung von Daten ist ein noch recht junges Feld, das erst heute zunehmend ins Bewusstsein der Menschen rückt. Als große Errungenschaft des digitalen Zeitalters gelten vor allem die Platzersparnis (digitale Dokumente sind oft verschwindend klein) und die Zeitersparnis (Daten können in Sekundenschnelle von A nach B gesandt werden). Allerdings müssen – und hier kommt der Begriff „digitales Archiv“ ins Spiel – Wege gefunden werden, wie zum Einen unterschiedlichste Formate gelesen, kombiniert und abgespeichert und zum Anderen die gespeicherten Daten zugänglich gemacht werden können. Daneben zählen zu den Hauptaufgaben eines solchen Archivs auch die Metadatenverwaltung, die Bearbeitung des Speichervorgangs und die Sicherstellung der Langzeitverfügbarkeit. Die Herausforderungen eines herkömmlichen Archivs müssen also an digitale Anforderungen angepasst werden.

Zum Gegenstand des Interesses wird ein digitales Archiv vor allem deshalb, weil neben den unzähligen Publikationen in digitaler Form auch nach und nach damit begonnen wird, Druckerzeugnisse zu digitalisieren. Das bedeutet einen schier unvorstellbaren (potenziellen) Materialbestand. Daher haben mittlerweile auch internationale Standards wie die ISO 14721:2003 sich darum bemüht, ein Regelwerk zur Schaffung eines modellhaften Archivs bereitzustellen.

Ganz neue Herausforderungen sind beispielsweise die bereits erwähnte Metadatenverwaltung. Neben der Tatsache, dass jedem Objekt ein eindeutiger Identifikator zugeschrieben werden muss (ähnlich der Signatur in einer Bibliothek), muss hier auch berücksichtigt werden, dass dieser Identifikator auch nach einem Systemwechsel noch lesbar und eindeutig sein muss. Dieser Punkt fällt, sieht man von außerordentlichen Sonderfällen einmal ab, bei herkömmlichen Archiven weg.

Darüber hinaus impliziert das Vorhandensein digitaler Daten immer auch eine leichte Kopierbarkeit. Umso mehr muss ein digitales Archiv sich um Fragen des Urheberrechts und des Digital Rights Managements kümmern: Wer hat wann Zugriff? Ist dieser in irgendeiner Form beschränkt? Müssen die Daten für die Langzeitarchivierung speziell aufbereitet werden? Wiederum zeigt sich, dass mit einer Errungenschaft der Moderne gleichzeitig auch ein erhöhtes Maß an Verantwortung vonnöten ist. Nur wenn diese übernommen wird, kann die Schaffung eines „kulturellen Gedächtnisses“ erfolgreich sein.